Harrys Waldgin (inkl. Video)

Harrys Waldgin wurde von Sternekoch Harald Rüssel kreiert und bei der Brennerei Hubertus Vallendar in Kail an der Mosel destilliert. Eines vorweg, der Gin ist kein Mainstream-Produkt. Geschmacklich ist er durchaus mehrschichtig. Eine Spirituose, welche ich als Empfehlung für Kenner und zur Erweiterung der Hausbar in Ausbaustufe 2 oder 3 denkbar finde. Kombinieren kann man den Gin z.B. gut mit Weisswange Tonic Water.

Herkunft von Harry’s Waldgin

Sternekoch Harald Rüssel betreibt gemeinsam mit der Sommelière Ruth Weis das kleine Hotel und Gourmetrestaurant Rüssels Landhaus. Dieses liegt in Naurath/Wald nur einen Steinwurf von der Mosel entfernt. Aus der Umgebung stammen auch die elf Botanicals für den Waldgin, die direkt in den Wäldern um das Hotel gesammelt wurden. Destilliert wurde der Gin und die Botanicals dann im knapp 90 km Mosel abwärts gelegenen Kail in der Destillerie Hubertus Vallendar, die z.B. auch den Pure Gin produziert.

Harald Rüssel sagt, dass die Inspiration für das Produkt aus seiner Liebe für die Jagd und die Verbundenheit mit dem Waldkommt. Seine Vorliebe für Gin machte aus der Idee dann dieses Produkt.

Die Waldgin Botanicals

Wie schon erwähnt sind elf Botanicals, vorwiegend aus Naurath/Wald, in diesem Gin verarbeitet. Dies sind:

  • natürlich Wacholder (nicht aus der Region)
  • Zitronenverbene
  • Süssdolde
  • wilder fruchtiger Oregano
  • Schokoladenminze
  • Rosmarin
  • Fichtenwipfel
  • Zitronenbohnenkraut
  • Schildampfer
  • Mispel
  • und Waldhonig aus Naurath

So schmeckt der Waldgin

Harrys Waldgin kreiert von Harald Rüssel / Brennerei Hubertus Vallendar
Harrys Waldgin kreiert von Harald Rüssel / Brennerei Hubertus Vallendar

Trotz seiner 47% Vol. ist dieser Gin alles andere als spritig. Ein ganz feiner Geruch und Geschmack sind die erste Überraschung. Der Wacholder ist zu schmecken, aber die Zitronenverbene ist der wahrscheinlich auf den ersten Geschmack am offensichtlichsten. Rosmarin ist zu erkennen und die Fichtenwipfel kann man erahnen. Oregano und Minze waren nicht bei allen drei Testern ganz so prominent, aber erkennbar. Geschmacklich stellt sich aber pur verkostet ein deutlich süßer, fruchtiger Nachgeschmack ein.

Seinem Namen Waldgin macht dieser Gin auf jeden Fall alle Ehre, denn der Geschmack ist in der Tat ein Waldfeeling im Glas. Während ich diesen Text schreibe sitze ich in einem Ferienhaus im Nadelwald und habe das Gefühl, dass ich meine Umgebung als Essenz in einem Glas habe. Mission accomplished. Gekühlt ist der Gin noch ein wenig Wacholder-lastiger und das Schmelzwasser vom Eis bringt Fruchtigkeit und die Waldaromen etwas mehr hervor, weil der Alkohol nicht mehr so dominiert.

Welches Tonic zum Waldgin?

Vier Tonics habe ich zum Waldgin als Mixer genutzt und verglichen, denn nichts ist wichtiger bei einem Gin als der Tonic Test:

  1. Fever-Tree Elderflower Tonic
  2. Weisswange Indian Tonic Water
  3. Thomas Henry Tonic Water
  4. Fever-Tree Mediterranean Tonic Water

Probiert habe ich auch in dieser Reihenfolge, was natürlich immer eine kleine Auswirkung auf die jeweilige Bewertung haben kann, da nach jedem Tonic erst einmal eine kleine Geschmacksneutralisierung notwendig ist. Stichwort Wasser trinken.

Fever-Tree Elderflower Tonic mit Waldgin

Nur selten greife ich zu Elderflower Tonics, denn oftmals ist dies vom Geschmack so dominierend, dass man sich einen Gin komplett versauen kann. Bei Harrys Waldgin konnte ich mir die fruchtige Note aber als gutes Pendant vorstellen. Richtig gewählt, denn die beiden passen gut zusammen. Der Gin verliert nicht so viel von seinen Charaktereigenschaften und der süße Charakter bleibt erhalten. Die Holunder-Note ist aber natürlich präsent und man muss den Geschmack mögen. Wer ein Elderflower Tonic kennt, weiss aber damit umzugehen. Hier kann man es mal gut austesten.

Weisswange Indian Tonic Water mit Harrys Waldgin

Kurz: Hat mir ziemlich gut gefallen, mein Tagesfavorit. Nicht immer sagt mir das Weisswange Tonic zu, aber hier passt es gut. Das Aroma des Waldgins bleibt erhalten, das Tonic ist perlig, aber nicht zu dominant, bringt Frische, aber unterstützt ebenso die Fruchtigkeit. Süße wird hier nicht so stark herausgestellt. Das Tonic unterstützt den Gin gut und ist meiner Meinung nach die bisher beste Kombi, die ich versucht habe.

Thomas Henry Tonic Water

Nach dem Weisswange Tonic kracht dieses Tonic Water einem wie eine Zuckerstange ins Gesicht. Sehr süß und nicht unbedingt die erste Wahl, wenn man den feinen Gin nicht unter einer Ladung Zuckerguss verstecken möchte. Ohne Vergleich kann das ganze sicherlich funktionieren, aber im direkten Vergleich würde ich nicht als erstes mit Thomas Henry mischen. Mit viel Eis, und somit weniger Süße durch Schmelzwasser aber eine valide Alltagsoption. Ob der Waldgin allerdings eine Alltagsoption ist? Ich denke eher nicht. Also lieber einen Euro mehr ins Tonic gesteckt und alles aus dem Gin holen.

Fever-Tree Mediterranean Tonic Water

Das Arbeitstier unter den Tonics für das Herausarbeiten von Geschmacksnoten: Fever-Tree Mediterranean Tonic. Wer schon einmal einen Gin Mare mit „No-Name-Tonic“ getrunken hat und dann danach das gleiche noch einmal mit diesem Tonic versucht hat, der weiss was man mit dem passenden Tonic erreichen kann. Also GO! für dieses Tonic mit dem Waldgin aus dem Hause Rüssel/Vallendar: Auch süß, aber nicht zu süß. Die Aromen des Gins kommen gut heraus, und werden unterstrichen. Eine gute Kombination, die ich nicht ganz so erwartet hätte. Nach dem Weisswange Tonic definitiv eine gute Alternative, die man auch leichter in gut sortierten Supermärkten finden kann.

Fazit und Bewertung des Harrys Waldgin

Ich war zugegeben erst einmal skeptisch was mich erwarten würde, weil ich mir nicht sicher war, ob es sich hier nicht schlicht um einen weiteren Gin, der „nur so gemacht wurde“, weil man eben einen Gin braucht, der den eigenen Namen trägt. Aber ich muss sagen, dass ich eines Besseren belehrt wurde. Harrys Waldgin ist durchaus eine ungewohnte und neue Gin-Sorte, die nicht in der Riege der Me-Too-Gins mitspielt. Die Auswahl der Botanicals ist spannend und wirklich lokal, der Geschmack auch und somit ist der Waldgin eine gute Ergänzung für das Gin-Sammler-Regal.

Hinweis: Die Flasche wurde mir zum Verkosten kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich behalte mir allerdings immer vor hier meine ganz persönliche Geschmacksmeinung zu verbreiten. Schmeckt mir etwas, dann teile ich das gerne. Passt mir etwas nicht, dann berichte ich darüber genauso. Obgleich das dann weniger Spaß macht, verständlicher Weise. 🙂

47% Vol.
11Botanicals
DeutschlandHerkunftsland
Bekannte Botanicals

Wacholder, Zitronenverbene, Süssdolde, wilder fruchtiger Oregano, Schokoladenminze, Rosmarin, Fichtenwipfel, Zitronenbohnenkraut, Schildampfer, Mispel, Waldhonig aus Naurath

DestillerieHubertus Vallendar, Kail
TypLondon Dry Gin
Charakteristikaharzige Noten, Zitronenverbene im Vordergrund, fruchtig, süßlich
GinGinGin Rating4.5 / 6
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