Schon immer fand ich es faszinierend wenn blasenfreie Eiswürfel mit einem Drink serviert wurden. Diese Art Eiswürfel, die keinerlei Einschlüsse haben und fast wie Glas aussehen. Zeit sich auf eine kleine Reise in die Welt der Physik und Eiskunst zu begeben. In diesem Post teile ich meine Erkenntnisse aus einer Vielzahl an Experimenten mit Euch.

Das richtige Wasser für klare, blasenfreie Eiswürfel

Ganz klar (Wortspiel beabsichtigt), da klares Eis aus Wasser besteht, sollte dieses möglichst rein und frei von Rückständen jeglicher Art sein. Einige Quellen empfehlen destilliertes Wasser. Das habe ich noch nicht versucht, auch habe ich keinen Wasserfilter, der mir Schwebstoffe und einige Rückstände aus dem Wasser filtern könnte. Also musste es erst einmal so gehen. Solltet Ihr meine Versuchsreihe nachmachen und eine der beiden Wasserlösungen wählen, so freue ich mich über Feedback zum Erfolg oder auch Misserfolg.

In Leitungswasser oder auch anderem Wasser aus Flaschen findet Ihr immer noch eine weitere Verunreinigung: Luftblasen.

Jeder kennt das: Wenn man ein Wasserglas am Abend füllt und am Morgen am Glas überall kleine Gasblasen sitzen. Hübsch anzuschauen, aber Gift für unser perfektes Eis. Die Luft kann man gut durch Kochen des Wassers aus dem Nass treiben. Hierzu kocht Ihr das Wasser einmal, lasst es abkühlen und dann kocht Ihr es direkt noch einmal. Während des Abkühlens müsst Ihr natürlich aufpassen, dass keine Verunreinigungen wie Staub oder andere Dinge, die der Wind so bringt ins Wasser gelangen. Ein entkalkter Wasserkocher ist ebenso sinnvoll, damit keine Kalkablagerungen ins Wasser kommen.

Mein Einfrier-Equipment

Ich habe mir einige Dinge angelesen, vieles ausprobiert, was in Foren steht, Produkte auf Ihre Funktion und Eisqualität getestet. Aber ich bin bei einem kleinen DIY-Setup geblieben, welches die besten Ergebnisse brachte. Dies möchte ich Euch vorstellen.

Eiswürfel selber machen ohne BlasenErstes Utensiel ist eine Styroporbox, die Ihr bei amazon oder anderen Anbietern bekommt. Vielleicht auch beim Fischhändler um die Ecke (achtet nur darauf, dass noch keine Fische drin waren, sonst schmeckt das Eis nach Fisch). Wichtig dabei ist, dass Ihr ausmesst wieviel Platz in Eurem Eisfach oder Tiefkühler ist. Bedenkt auch, dass die Kühlfächer zwischendrin mal vereisen und dann weniger Platz ist.

Dann braucht Ihr Silikon-Eisbehälter, ich habe welche in Todessternform, weil die Kugeln genau in meine Longdrinkgläser passen und diese am günstigsten waren. Die Kugelform bringt den Vorteil mit sich, dass das Verhältnis Volumen zu Oberfläche am günstigsten ist, denn so schmilzt das Eis am langsamsten.
Weiter habe ich ein paar IKEA-Clips zum Verschließen von Beuteln im Einsatz, die mir die Silikonkugeln etwas in die Höhe bringen.
In der Styroporbox habe ich eine klare, glatte Aufschnittbox, in die ich Wasser füllen kann und somit muss ich nicht das Styropor direkt mit dem Wasser penetrieren, was dieses auf Dauer auch zerreissen würde wenn man das Eis heraus nimmt.

Zu guter Letzt noch ein wenig Alufolie, eine Schere, ein Cutter und etwas Klebestreifen.

Richtig Einfrieren: von oben, langsam und ohne Luft

Das Geheimnis eines klaren Eisballs ist a) das fehlende im Wasser gelöste Gas und b) ein langsames Frieren von oben nach unten.

Schritt 1: Die Styroporbox einrichten

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Aufschnittbox oder Tupperschale in die Styroporbox einsetzen.

Ich habe meine Box etwas beschneiden müssen, damit sie in unser Eisfach passt. Macht dies mit einem ganz scharfen Cutter und ganz langsam. Noch einfacher geht es mit einer Laubsäge, die mit einer 9V-Batterie heiss gemacht wird, aber die habe ich mir mal gespart. Aus meinem Deckel habe ich mir ein kleinens Rechteck gemacht, um später einen Deckel zu haben (s.u.).

Schritt 2: Tupperdose einsetzen

Die Aufschnittbox passt fast perfekt in die Styroporbox.
Die Aufschnittbox passt fast perfekt in die Styroporbox.

Meine Dose oder Aufschnittbox ist aus Hartplastik, nicht ganz optimal, weil man das Eis nicht so leicht gelöst bekommt. Nehmt also lieber PE oder Silikon. Hauptsache Ihr findet einen Behälter, der hoch genug ist, um die Silikonkugeln im Wasser stehen zu lassen, ohne dass diese zu tief eintauchen.

Mein Container dürfte gerne etwas höher sein, aber es geht auch so. Die Idee ist folgende: Das Wasser in diesem Container ist so viel, dass es erst sehr spät gefriert, bestenfalls erst nachdem die Kugeln, die weit aus der Wassermasse rausragen gefrieren. Idealfall ist, dass erst die Kugeln von oben nach unten frieren, dann das Wasser im Container. So kann etwaiges Gas immer noch nach unten entweichen wenn es vom Eis „langsam runtergedrückt“ wird.

Die Clips halten die Eiskugelbehälter über dem Boden der Wasserwanne
Die Clips halten die Eiskugelbehälter über dem Boden der Wasserwanne

Die IKEA-Clips lege ich unten in den Container, damit die Silikonkugeln etwas über dem Boden „schweben“, was einen Austausch des Wassers aus der Kugel und dem Container ermöglicht. Die Clips sind ganz gut, weil sie kleine Schlitze haben, die diesen Austausch ebenso zulassen.

Die Clips sind nicht ganz geschlossen und lassen Wasser noch zirkulieren.
Die Clips sind nicht ganz geschlossen und lassen Wasser noch zirkulieren.

Schritt 3: Wasser vorsichtig einfüllen

Jetzt lasse ich das zum zweiten mal runtergekühlte Wasser in den Container. Ganz langsam lasse ist es aus dem Wasserkocher an einem sauberen Löffel herunterlaufen in die Schale. So kommen keine Blasen durch das Gießen ins Wasser. Die Silikonkugeln werden auch bis ganz oben gefüllt. Nach ein paar Sekunden noch einmal nachfüllen, wenn das Wasser noch restwarm ist, denn die Kugeln dehnen sich aus und eventuell ist dann etwas zu wenig Wasser in der Form.

Schritt 4: Silikonkugeln ins Wasser

Die Eiswürfelbehälter aus Silikon liegen kopfüber im Wasserbad, ohne jegliche Luft im Innenraum.
Die Eiswürfelbehälter aus Silikon liegen kopfüber im Wasserbad, ohne jegliche Luft im Innenraum.

Nun haltet Ihr das Loch der Kugel zu und dreht diese um. Dann die Kugelform kopfüber direkt ins Wasser, auf den Clip, stellen. Erst wenn das Loch unter Wasser ist nehmt Ihr den Finger von der Öffnung. Der Plan ist es, keine Luft in den Ball zu lassen. Ist Euer Wasser noch zu heiss verbrennt Ihr Euch die Finger. Also vorsichtig und lang genug warten mit dem Abkühlen. Sind nun beide Kugeln im Wasser, so kann der Deckel auf die Styroporbox.

Styroporrahmen mit Alufolie zum Deckel machen.
Styroporrahmen mit Alufolie zum Deckel machen.

 

Alufolie vorsichtig auf den Rahmen aufkleben.
Alufolie vorsichtig auf den Rahmen aufkleben.

 

Der fertige Deckel mit leichter Isoliereigenschaft.
Der fertige Deckel mit leichter Isoliereigenschaft.

Der Deckel ist aus einem Teil des ursprünglichen Deckels gemacht. Dazu habe ich ein wenig Alufolie um einen rechteckigen Rahmen aus Styropor geklebt.

Schritt 5: Ab in den Freezer!

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Durch die Styroporbox gefriert das Wasser ganz langsam und ihr bekommt wunderschöne blasenfreie Eiswürfel.

Jetzt noch vorsichtig in den Tiefkühler verladen und dann heißt es Warten. Es sei denn Ihr habt zu heisses Wasser verwendet, denn dann kann es sein, dass Euer Tiefkühler Alarm schlägt. Wartet also bis das Wasser kalt ist, sonst ist der Dampf aus Eurem Styroporcontainer ruckzuck der Grund für eine Megavereisung des Tiefkühlfachs.

Schritt 6: Geduldig 36 Stunden warten

Eure Styroporbox ist richtig gut im Isolieren. Deshalb kann nur noch wenig Kälte vom Aludeckel herabsinken, von unten und den Seiten kommt kaum noch Kälte an Euer Eis. Aus diesem Grund muss ich bei einem -20 Grad Celsius Tiefkühler gut 36 Stunden warten mit dem Eis, denn nach 20 Stunden war eine meiner Testreihen noch ein schönes Wasserbad und der Ball nur teilweise gefroren. Also wartet lieber länger als kürzer.

Die Belohnung: Kristallklare, blasenfreie Eiswürfel

blasenfreie Eiswürfel, hier als Kugel bzw. als Todesstern aus Eis
blasenfreie Eiswürfel, hier als Kugel bzw. als Todesstern aus Eis

Es ist nicht so leicht Eis ohne Gefrierraum zu fotografieren, denn es bildet sich schnell Reif auf dem Eisball. Doch kann man glaube ich gut erkennen, dass es einen fast perfekten Eisball gibt. Achtet beim Auslösen der Eisbälle darauf, dass Ihr nicht zu warmes Wasser nutzt, um das Silikon anzulösen. Wird es aussen zu heiss, reisst der Ball eventuell. Mit so einem Eisball könnt Ihr Euren Drink richtig lange kühlen, egal ob Longdrink, Highball, Gin, Gin Tonic, Whiskey …

Schickt mir Bilder von Euren Eiskugeln oder lasst mich wissen wo Ihr den Prozess noch optimieren konntet. Ich hoffe Euch hat dieser kleine #Eisporn-Ausflug gefallen.